Süchtig nach freiheitlicher Malerei

Kogge-Autorin Erika Rauschning zeigt Gemälde im BÜZ / Künstlerische Doppelbegabung (Mindener Tageblatt vom 01.10.)

Minden (pri). Erika Rauschning, Mitglied der Europäischen Autorenvereinigung "Kogge", die gerade in Minden ihre Jahrestagung abgehalten hat, ist eine Künstlerin mit Doppelbegabung. Neben der Lyrik ist die Malerei ihre große Leidenschaft.

Von Ralf Kapries

Auf diesem Gebiet hat die in Stralsund geborene und seit 1953 in Osnabrück lebende Malerin zahllose Werke geschaffen, die bereits in vielen Ausstellungen an namhaften Orten zu sehen waren. Bis zum 10. Oktober sind nun auch Arbeiten von Erika Rauschning im Mindener Kulturzentrum BÜZ zu sehen, wobei kaum ein Fleckchen Wandfläche des hohen ehemaligen Kirchenraumes frei geblieben ist. Etwa DIN-A-3 große Aquarelle sowie Ölgemälde von einem Quadratmeter Fläche und mehr sind dort aufgehängt oder stehen auf den umlaufenden Sitzbänken.

Dazwischen sind vergrößerte Abdrucke ihrer Gedichte und Aussagen der Malerin zu ihrer Arbeitsweise aufgehängt. So erfährt der Ausstellungsbesucher: "Die Farben, die Pinselstriche, die ich setze, werden mir von meinem Inneren gesagt. Ich muss nur immer hellhörig genug sein im Umgang mit mir selbst. Dazu kommt eine schier endlose Kraft, die mich nie aufhören lassen möchte. Meine `Technik´ ist nicht angelernt, sondern gewachsen, entstanden in einem ständigen Arbeitsprozess. Ich bin süchtig nach dieser meiner freiheitlichen Art der Malerei." Von dieser "Sucht" und der lustvollen Art, mit denen sie ihre Farben auf den Malgrund schlägt, berichtete Erika Rauschning fast enthusiastisch anlässlich der Vernissage.

Rauschning hat Malerei an der Kunstakademie in Dresden studiert und die hier erworbenenen Kenntnisse und Fähigkeiten 1959 durch Studien bei Oskar Kokoschka verfeinert. Außerdem studierte sie in Salzburg Lithographie bei Werner Otte und Radierung bei Rudolf Hradil. Bei Aric Bauer galt ihr Interesse der altmeisterlichen Malerei. Mit ihrem eigenen Stil entwickelte sie eine sehr freiheitliche und expressive Form der Malerei, die mit "Informel" nur oberflächlich bezeichnet ist.

Schon in der Kindheit entwickelte Rauschning einen Blick für die Perspektive. Ihre Bilder entstehen zwar als unmittelbarer Ausdruck ihrer Emotionen, die sich in der Konfrontation mit der Themenstellung entfesseln, jedoch nicht völlig ungeplant. So erläutert sie zu ihrer Ölmalerei: "Grundlage für die Art dieser Arbeit sind zunächst eigene Eingebungen (innere Vorstellungen), die ich skizzenhaft festhalte und die später das konzeptionelle Stützgewebe abgeben, aus dem das Bild erwächst. Die innere Absprache zwischen künstlerisch gewollten und technisch entstehenden Bild bedarf einer ständig offen gehaltenen Kontrolle in mir."

Die Bilder zeigen Menschen und Landschaften, in starken Farben mit kraftvollen Pinselstrichen abstrahierend aufgetragen, das Objekt mehr oder weniger stark auflösend bis hin zur völligen Abstraktion. Das ihnen innewohnende Feuer lässt keinen Betrachter kalt.

 

 

 

Bilder zur Vernissage

 

      


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